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Wege zum qualitätsgesicherten PBM

„PBM ist ein multidisziplinäres, patientenindividuelles Behandlungskonzept zur Verbesserung des Behandlungsergebnisses durch Reduktion und Vermeidung von Anämie sowie Blutverlust und Transfusion.“ Diese Definition von Gombotz H. und Hofmann A. zeigt schon, dass es nicht nur einen Weg zur erfolgreichen Einführung von Patient Blood Management (PBM) in den klinischen Alltag geben kann.1

Wichtig ist, krankenhaus- und abteilungsspezifische Gegebenheiten zu berücksichtigen, damit die Akzeptanz für die einzelnen Maßnahmen steigt. Mittlerweile sind weit über einhundert Maßnahmen für ein ideales PBM-Programm bekannt, die selbst von Institutionen, die in der PBM-Einführung schon sehr weit fortgeschritten sind, noch nicht alle umgesetzt werden.2 Die Einsicht in die Notwendigkeit von PBM wächst, da zunehmende Aufklärung der Ärzteschaft das Bewusstsein für das Thema stärkt und schwindende Spendebereitschaft in der Bevölkerung sowie steigende Kosten für Blutprodukte ein langfristiges Umdenken erfordern.

 

Aller Anfang ist schwer

Sie sollten daher prüfen, welche der Maßnahmen in Ihrem Hause relativ problemlos umgesetzt werden können, um den Einstieg ins PBM zu finden. Mit den daraus resultierenden positiven medizinischen und wirtschaftlichen Effekten lassen sich dann auch aufwändigere Maßnahmen in Angriff nehmen.

Vier Ansätze, mit denen sich PBM erfolgreich implementieren lässt:

  1. Prävention und Management einer Anämie
  2. Prävention und/oder Optimierung einer vermuteten bzw. laboranalytisch bestätigten Koagulopathie
  3. Einsatz von umfassenden und interdisziplinären Maßnahmen zur Vermeidung und/oder Reduktion von unnötigen Blutverlusten
  4. Patientenzentrierte Entscheidungsfindung zum optimalen Einsatz von Blutprodukten

 

Patient Blood Management ist Teamarbeit

Suchen Sie sich Verbündete und schlagen Sie konkrete Maßnahmen vor, gegen die auch von der kaufmännischen Seite nur wenig Argumente vorgebracht werden können! Je nachdem, in welcher Position Sie sich befinden, kann der Weg sich etwas länger und vielleicht auch schwieriger gestalten. Laden Sie Kollegen der Fachabteilungen und der Krankenhausleitung zu einer Inhouse-Fortbildung ein und stellen Sie die wichtigsten Argumente für eine Diskussion dar. Dabei ist es wichtig, nicht nur die Ärzte und die Klinikleitung abzuholen. Beziehen Sie frühzeitig auch das Pflegepersonal, die Krankenhausapotheke, das Labor, die EDV-Abteilung, die Finanzabteilung, das Qualitätsmanagement sowie die Presse- und Öffentlichkeitsabteilung und Zuweiser in Ihre Prozesse mit ein. Denken Sie immer daran, dass PBM nur im Team gelingen kann und gute Argumente besser sind als Zwangsmaßnahmen! Grundsätzlich ist es wichtig, sich in der Klinikleitung bzw. Geschäftsführung von Anfang an einen starken Verbündeten und Unterstützer zu sichern. Da PBM eines der wenigen Themen ist, bei dem Sie gleichzeitig die Patientenversorgung verbessern und sogar Geld sparen können, sollte dies nicht allzu schwierig sein.

Klären Sie unbedingt auch in Ihrem Krankenhaus, wer der Lieferant Ihrer Blutprodukte ist und zu welchen Konditionen Sie diese Produkte beziehen. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie einen externen Lieferanten haben oder eine interne Blutbank von rückläufigen EK-Verbräuchen unmittelbar betroffen wäre und daher in alle Maßnahmen gut eingebunden werden muss.

Standards erleichtern das Patient Blood Management

Versuchen Sie, in Ihrem Hause mit den betroffenen Abteilungen Standards für das Management von Anämie, Blutgerinnung/spezielle Laboranalysen, Blutverlust-minimierende Maßnahmen und die Hämotherapie (optimaler Einsatz, sichere Transfusion und Anforderung von Blutprodukten) zu definieren! Ein mit allen Abteilungen abgestimmtes Protokoll für Massivblutungen schafft Sicherheit für alle Kollegen und kann helfen, schwerwiegende Folgen zu vermeiden.

Erstellen Sie eine Liste mit planbaren chirurgischen Eingriffen, für die ein präoperatives Anämie-Management sinnvoll erscheint, weil zum Beispiel eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Verabreichung einer Bluttransfusion unter der Operation besteht. Patienten, bei denen derartige Eingriffe geplant sind, sollten frühzeitig (3 - 4 Wochen) vor dem Eingriff identifiziert werden, um genügend Zeit für die Diagnostik und Therapie zu haben, damit die Patienten mit optimalen Blutwerten in die Operation gehen. Alle Entscheidungen im Patient Blood Management sollten patientenzentriert und individuell erfolgen.

Literatur und Gutachten verbessern Ihre Argumente

Am Anfang steht immer viel Überzeugungsarbeit und Engagement. Mittlerweile gibt es gute Literatur, die die positiven medizinischen Aspekte aufzeigt und Ihnen hilft, die verschiedenen Fachkollegen zu überzeugen. Entsprechende Literaturangaben finden Sie im gesundheitsökonomischen Gutachten "PBM footprint".3

Um gute Argumente für die kaufmännische Leitung Ihres Krankenhauses parat zu haben, finden Sie die wichtigsten Aspekte des Gutachtens auf dieser Webseite unter „Gesundheitsökonomisches Gutachten“ aufbereitet, sowie das gesamte Gutachten zum Download zur Verfügung gestellt. Auch wenn initial projektbezogene Kosten für Personal, Material und Ressourcen entstehen, können mit den umgesetzten PBM Maßnahmen gleichzeitig Kosteneinsparungen in der Klinik realisiert werden, die zur Selbstfinanzierung des initialen Projektes geeignet sind wie Reduktion infektiösen Mülls, des Blutprodukteverwurfs und der mit der Transfusion in Verbindung stehenden Nebenwirkungen. Hierzu bietet Ihnen die pbm Academy Stiftung Workshops zur Abrechnung im Krankenhaus für Medizincontroller, Klinikdirektoren, Geschäftsführer und Chefärzte an.

Adressieren Sie das Thema „PBM“ auch außerhalb Ihrer Klinik. Nutzen Sie neben Ihrer Presseabteilung lokale Medien (Zeitschriften, Rundfunk, Social Media), um auch die Öffentlichkeit über PBM zu informieren. Sie haben die Möglichkeit, sich eine Patientenaufklärungsbroschüre herunterzuladen, die Ihnen den Aufklärungsprozess erleichtern kann. Wenn Sie konkrete Fragen zum Implementierungsprozess haben, bieten wir Ihnen die Möglichkeit, über das Portal der pbm Academy Stiftung Ihre Fragen zu stellen, die Ihnen unsere Experten gerne beantworten.

 

 

Quellen:

[1] Gombotz H. und Hofmann A. Anaesthesist 2013; 62: 519–527.
[2] Meybohm P, Richards T, Isbister J, Hofmann A, Shander A, Goodnough LT, et al. Patient Blood Management Maßnahmenbündel. Anästhesiologie und Intensivmedizin. 2017; 58:1-14.
[3] Drabinski T, Gesundheitsökonomischer Fußabdruck Patient Blood Management (PBM footprint). In: IfMDA Schriftenreihe Band 30. 2018.

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